Vor 50 Jahren brachen die Deiche: Im Februar 1962 erlebte Hamburg die schwerste Sturmflut seit Jahrhunderten. In Erinnerung an die Katastrophe, die die Elbinseln Wilhelmsburg, Waltershof, Finkenwerder und Teile des Alten Landes unter Wasser setzte, lesen wir aus Wilhelmsburger Erinnerungsberichten. Vom Wasser Eingeschlossene, ein Pastor, ein Polizeihauptkommissar, Jugendliche, die mit ihren Familien auf Rettung warten und der damalige Ortsamtsleiter Hermann Westphal. Sie alle berichten über die Nacht, in der das Wasser kam.
Das Motto unserer Bille-Rundfahrt ist ein Zitat von Arno Schmidt, der in Hamm aufwuchs und später seine Kindheit und Jugend dort beschrieben hat Die Fahrt führt durch die Stadtteile Hammerbrook, Rothenburgsort und Hamm, die in den Bombennächten stark zerstört wurden. An diese Ernte des Nazi-Regimes erinnern Zeitzeugenberichte. Hamburger Autoren begleiten uns mit ihren Texten. Neben Arno Schmidt hören Sie Willi Bredel, Wolfgang Borchert, Barthold Hinrich Brockes, Heinrich Heine, Hans Massaquoi und einige mehr..
Von der Wasserseite aus entdeckt man kleine Paradise auf der Billerhuder Insel, wo neben Industriebrachen und Neubaugebieten Schwäne und sogar Eisvögel nisten. Der untergehenden Sonne entgegen beschließen wir diesen Abend mit Goldrand.
Hamburg war vor 100 Jahren ein wichtiger Umschlagplatz für Menschen, die ihre Heimat verlassen hatten, um ein besseres Leben jenseits des großen Teichs zu suchen. Sie hatten Angst, Sehnsucht und Heimweh im Herzen.. An ihr Schicksal wollen wir erinnern, indem wir lustige, auch ernste und kaum bekannte Geschichten und Gedichte zum Thema Auswanderung lesen. Los geht es am Nachmittag. Zwei Stunden fahren wir mit der Barkasse durch enge Kanäle, ganz nah vorbei an den Resten der alten Auswandererbaracken und auf der großen Elbe. Zur blauen Stunde zwischen Tag und Dämmerung kehren wir zurück zum Anleger Vorsetzen.
Der gute alte Elbstrom, warum sollen wir ihm mißtrauen, wo er doch so beschaulich dahin fließt. Aber seit jeher haben Fischer, Dichter und Seeleute vor seinen Tücken gewarnt. Aus der Fülle von Märchen und Sachtexten haben wir Träumerisches und Realistisches für unsere Fahrt ausgewählt. Andere Texte zeigen Ihnen, was die Menschen der Elbe zu ihrem Nutzen und zu ihrem Schaden angetan haben.
Sie hören Texte von Seeleuten und Reederinnen, Gewinn und Verlust,
Liebe und Einsamkeit, Luxus und Armut, Zoll und Schmuggel, gemischt mit einer Prise Lyrik und ein paar frechen Liedern, während unsere Barkasse zunächst durch die Speicherstadt, dann Richtung Nordsee fährt.
Bei Altona unterm Balkon stoppen wir weise die literarische Reise machen's Ringelnatz' Ameisen nach) und tuckern ganz sutje und leise zum Baumwall zurück. Bei gutem Wetter können Sie auch draußen sitzen und unseren Geschichten lauschen
"In Hamburg kann die Nacht nicht süße Melodien summen mit Nachtigallentönen.Sie weiß, daß uns das Lied der Schiffssirenen, die aus dem Hafen stadtwärts brummen, genauso selig macht." (Wolfgang Borchert)
Hamburg schläft wenig. Der Hafen gar nicht. Maschinen brauchen keinen Schlaf. Und die Menschen? Nirgends. Unsichtbar. Scheinwerfer, unzählig, verdoppeln sich im Wasserspiegel. Mitten hinein fährt unsere Barkasse und Sie hören Geschichten und Gedichte vom Meer, von Menschen, von Maschinen im Dunklen, bei Nacht, vom Hafen, im Hafen, - nachtseits.